Wie hilft uns das Enneagramm in Beziehungen?

Alles wirkliche Leben ist Begegnung

Manche Begegnungen können das Blaue vom Himmel herunter holen und wir fühlen uns leicht und lebendig. Doch es gibt auch noch anderes. Beziehungen, wo alles festgefahren scheint und keiner mehr keinen versteht. Alles wirkliche Leben ist Begegnung, so drückte es bereits der Religionsphilosoph Martin Buber (1878 – 1965) aus. Erfahren Sie hier mehr über mögliche Hintergründe, Abgründe und Auswege in Beziehungen aller Art (z.B. Teamentwicklung, Paarbeziehungen, Freundschaften etc.) aus der Sicht des Enneagramms.

Wie hilft uns das Enneagramm in Beziehungen? Persönlichkeitsentwicklung ganz praktisch.

Alles Wirkliche im Leben ist echte Begegnung. Das Enneagramm unterstützt uns dabei, uns ganz zeigen zu können.

Beziehungsqualität = Lebensqualität

Wir alle leben von Beziehungen, sie machen uns glücklich. Oder auch unglücklich, wenn sie einfach nicht gelingen wollen. Da kann es sein, dass eine Beziehung ganz vielversprechend beginnt – es muss gar nicht einmal eine Partnerschaft sein. Vielleicht denkt man sogar, endlich versteht mich jemand. Doch nach und nach gerät das Ganze immer mehr in Schieflage, gekrönt von «Warum musst du denn immer …» und «Du verstehst das einfach nicht» – wir kennen es alle. Sei es von der einen oder anderen Seite.

Menschliches Zusammenleben will gelernt sein – und dazu gehört auch unsere Konfliktfähigkeit.

Dies ist ein langer Prozess und geschieht beim Aufwachsen auf ganz natürliche Weise. Normalerweise. Jedoch nicht immer gleich gut. Bei Martin Buber beispielsweise schienen die ersten Jahre ziemlich belastet gewesen zu sein. Seine Eltern trennten sich, als er vier Jahre alt war. Seine Mutter gründete eine andere Familie und diese Trennung geschah ohne Abschied oder Erklärung seitens der Grosseltern, bei denen Buber von da an aufwuchs. Seine Mutter sah er nur ein einziges Mal wieder.

Wir leben nicht im Paradies

Da unsere Welt ist, wie sie ist, bekommen wir alle während unserer Entwicklung das eine oder andere ab.

Und so entwickeln wir unseren jeweiligen Beziehungsstil, der uns vor weiteren Verletzungen schützen soll – und es auch zuverlässig tut. In der Regel hört er erst wieder damit auf, wenn wir seine Taktik erkennen und das ablegen, was über das Ziel hinausschiesst.

So gibt es etwa Menschen, die mit Misstrauen reagieren, wenn ihnen jemand freundlich begegnet.

Kein Wunder, dass sie sich dann in ihrer Annahme bestätigt fühlen, dass den Menschen nicht zu trauen sei, wenn sich das Gegenüber logischerweise irritiert zeigt und mehr oder weniger stark zurückzieht.

Warum also nicht noch die eine oder andere Fähigkeit dazulernen? Zu der wir heute – im Gegensatz zu damals – durchaus imstand sind. Dabei kann die Kenntnis des Enneagramms eine grosse Hilfe sein.

Wei kann uns das Enneagramm in Beziehungen helfen?

Wie kann uns das Enneagramm in Beziehungen helfen?

Welche drei grundlegenden Kompetenzen beschreibt das Enneagramm?

Das Enneagramm als äusserst differenziertes Persönlichkeitsmodell charakterisiert als Basis drei Kompetenzbereiche, die jedem Menschen zur Verfügung stehen: das Kopfzentrum, das Herzzentrum und das Bauchzentrum. Alle von uns sind mit Kopf, Herz und Bauch unterwegs, jedoch in unterschiedlichem Ausmass. Und eine dieser Kompetenzen übernimmt jeweils den Lead. Es kann auch durchaus vorkommen, dass jemand kaum Kontakt zu einem der drei Zentren hat.

Kopfzentrum

Menschen, die sich hauptsächlich auf ihren Kopf verlassen, suchen in grösserem Ausmass nach Orientierung, Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit. Sie verhalten sich eher zurückhaltend und vorsichtig, die Themen Beziehung und Image kommen erst später ins Spiel. Über Fragen und Informationen verschaffen sie sich einen Überblick und können Sachverhalte gut zusammenfassen und Ruhe in eine Situation hineinbringen.

In Konfliktsituationen ziehen sich Kopfmenschen tendenziell in sich zurück.

Herzzentrum

Herzmenschen haben Freude an Menschen und sorgen sich um die Beziehung zu ihrem jeweiligen Gegenüber und darum, wie sie in den Augen anderer dastehen. Sie beschäftigen sich überdurchschnittlich mit ihrem Selbstwert, das bedeutet, die ganze Zeit. Ununterbrochen sind sie am Vergleichen und Bewerten und haben daher meist enormen Leistungsdruck. Ihre Anpassungsfähigkeit ist gross.

In Konfliktsituationen gehen Herzmenschen tendenziell auf ihr Gegenüber zu.

Bauchzentrum

Bauchmenschen geht es stark um Klarheit und Struktur. Wer hat hier das Sagen? Bauchmenschen brauchen Autonomie und streben nach Gerechtigkeit und Harmonie. Rasch überblicken sie das Ganze einer Situation und sind davon überzeugt, dass sie mit ihrer Sichtweise richtig liegen. Ein gewisses Schwarz-Weiss-Denken ist nicht selten – richtig oder falsch. Viele Worte sind dazu selten nötig.

In Konfliktsituationen gehen Bauchmenschen tendenziell in Konfrontation.

Kopf-, Herz- und Bauchmenschen kommunizieren unterschiedlich

Kopf-, Herz- und Bauchmenschen kommunizieren unterschiedlich

Mit unterschiedlichen Kommunikationsstilen unterwegs

Nicht nur bei Konflikten, sondern generell drücken sich die drei unterschiedlichen Zentren durch unterschiedliche Kommunikationsstile aus, die sich stark unterscheiden können.

  • Für Bauchmenschen reden Kopfmenschen zum Beispiel zu viel und sind zudem viel zu kompliziert!
  • Kopfmenschen können sich von den Gefühlen der Herzmenschen überfordert fühlen
  • Bauchmenschen hingegen können sich von den Gefühlen der Herzmenschen manipuliert fühlen
  • Herzmenschen möchten immer erst sicher sein, dass die Beziehung stimmt
  • Kopfmenschen können bei Bauchmenschen Ungeduld und Fluchtimpuls auslösen.
  • Kopfmenschen wehren sich notfalls mit verbalen Scharfschüssen

Und so sind Missverständnisse und Konflikte so ziemlich vorprogrammiert, spätestens dann, wenn Unsicherheiten und Stress mit ins Spiel kommen.

Bildlich gesehen ist dies vergleichbar mit dem Hund, der das Schwanzschlagen der Katze als Freude interpretiert, ebenfalls schwanzwedeln auf sie zugeht – und die Welt nicht mehr versteht, wenn er ihre spitzen Krallen zu spüren bekommt.

Diese Analogie gilt selbstverständlich auch für Hündinnen, Kater und sämtliche anderen Individuen.

Wie gehen wir miteinander um? Was können wir anders machen?

Wie gehen wir miteinander um? Was können wir anders machen?

Wie gehen wir gut miteinander um?

Wie umgehen mit Kopfmenschen?

  • Sachliche Informationen geben
  • Fragen ganz selbstverständlich beantworten
  • Wenn möglich Bedenkzeit gewähren
  • Etwaige Bedenken ernst nehmen und prüfen
  • Eine passende Frage für Kopfmenschen: «Was denkst du, könnte passieren?»
  • Offensichtliche Horrorszenarien ev. durch ernst gemeinte Rückfragen relativieren
  • Verbale Attacken nicht persönlich nehmen und nicht zurückschiessen
  • Wissen: Was anscheinend nicht gehört wird, kommt trotzdem an
Das Persönlichkeitsmodell Enneagramm: Wie können wir mit Kopfmenschen umgehen?


Wie umgehen mit Herzmenschen?

  • Wer mit Herzmenschen gut klarkommen will, sollte sich auch mit seinen eigenen Gefühlen beschäftigen und mit ihnen klarkommen.
  • Ehrliches Interesse zeigen
  • Gefühle sind nicht gefährlich
  • Mit beiden Beinen am Boden stehen, sachlich bleiben und nicht einsteigen in Emotionales, Dramatisches oder eventuelle Opferrolle
  • In Beziehung bleiben
  • Eine passende Frage für Herzmenschen: «Wie ist es für dich?»
Das Persönlichkeitsmodell Enneagramm: Wie können wir mit Herzmenschen umgehen?

Wie umgehen mit Bauchmenschen?

  • Keine Angst
  • Ihre direkte Art nicht persönlich nehmen
  • Begegnung auf Augenhöhe mit Respekt und Wohlwollen
  • Stellung beziehen mit klaren, kurzen Informationen
  • Wenn dies weggefegt wird, vielleicht nochmals wiederholen und dann stehen lassen
  • Nicht alles auf einmal rüberbringen
  • Spannung aushalten und zeigen, dass man die Stärke des Bauchmenschen annehmen und halten kann
Das Persönlichkeitsmodell Enneagramm: Wie können wir mit Bauchmenschen umgehen?

Fazit:

Beziehungen können ganz schön anstrengend sein und uns teilweise vor Rätsel stellen oder überfordern. Das liegt daran, dass wir auf ganz unterschiedliche Arten unterwegs sind. Das Enneagramm beschreibt die verschiedenen unterschiedlichen Arten, in der Welt zu sein und unterstützt uns darin, uns selbst und andere besser zu verstehen. Dadurch bietet es enorme Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung. Welche Intelligenz ist wohl bei Ihnen vorherrschend?

In jedem der drei oben beschriebenen Zentren steckt ganz viel ganz unterschiedliche Intelligenz, die wir uns zunutze machen können, egal, welches Zentrum wir bevorzugen. Kopf-, Herz- und Bauchintelligenz stehen jedem Menschen zur Verfügung und was unzureichend entwickelt ist, lässt sich wie ein Muskel trainieren. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans noch dazu.

Eine gesunde Selbstakzeptanz ist dabei entscheidend wichtig. Ein guter Umgang mit sich selbst bewirkt automatisch einen guten Umgang mit anderen Menschen.

Coaching-Persoenlichkeitsentwicklung.ch, 26.1.2026

Autorin

Tabea Räber, Autorin und Lektorin und ist seit über 30 Jahren mit dem Enneagramm unterwegs.

Tabea Räber, Autorin und Lektorin, sowie seit über 30 Jahren mit dem Enneagramm unterwegs.

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