Selbstreflexion: Bewusste Ausrichtung unserer Wahrnehmung

Noch nie zuvor waren wir derart vielen Informationen ausgesetzt und hatten selbst die Möglichkeit, per Internet innert kurzer Zeit auf Millionen von Informationen zuzugreifen. Wie damit umgehen, wird kaum gelehrt. Als individuelle Menschen verstehen und werten wir Infos individuell. Bewusstes Hinsehen, Hinhören und Wahrnehmen ermöglicht es uns, Herausforderungen und Informationen ins rechte Licht zu rücken. Unsicherheit und Angst wandeln sich immer mehr zu Mut und Stabilität. 

Ist das, was wir wahrnehmen wirklich wahr? Diese Frage ist durchaus berechtigt. Ein Blick in die Kommentare von Online Magazinen, Tageszeitungen und Sozialen Medien zeigt uns eine enorme Vielfalt an Tatsachen und Meinungen. Und alle haben «recht». Das ist nicht einmal falsch.

Selbstreflexion: Bewusste Ausrichtung unserer Wahrnehmung

Verzerrte Wahrnehmung

Was im ersten Moment vielleicht etwas auffällig klingt, ist etwas ganz Normales. Wir filtern alles Erlebte und behalten das in Erinnerung, was in unser Weltbild passt. Leben wir eine Überzeugung oder haben wir ein bestimmtes Ziel vor Augen, grenzen wir alles, was dies nicht unterstützt, aus. Andererseits fokussieren wir auf entsprechende Begründungen, die unsere Ziele, Erfolge oder Überzeugungen bestätigen.

Unsere Wahrnehmung ist subjektiv.

Zum Beispiel nach Unfällen (unterschiedliche Zeugenaussagen) oder aussergewöhnlichen Ereignissen.

Der Begriff «false memories» (falsche Erinnerungen) stammt aus der Polizeiarbeit. Geschieht ein Unfall, müssen die Zeugen schnellstmöglich befragt werden, weil sonst das Gehirn die Abläufe verändern und mit selbsterlebten ähnlichen Ereignissen vermischen kann. Auch Ereignisse, wie zum Beispiel die Corona Pandemie, die unsere Aufmerksamkeit verlangen, können unsere Wahrnehmung und damit die Beurteilung und das Handeln beeinflussen.

Ein wichtiger Ansatz, verzerrter Wahrnehmung entgegenzuwirken, ist das Erkennen von Denkmustern.

Charles Darwin, Begründer der Evolutionstheorie, stellte seine eigenen Überzeugungen systematisch infrage. Er fühlte sich verpflichtet, neue Entdeckungen innerhalb von 30 Minuten aufzuschreiben. Die Gefahr, dass seine liebgewonnenen Auffassungen die neue – zuerst oft als widersprüchlich wahrgenommen – Information wieder verwerfen würden, war gross. In etwa so, wie der Körper Transplantate abstösst. (Quelle: Sachbuch «Meine grösste Chance» – Nikolaus Förster)

Unsere Wahrnehmung wird von Erinnerungen geprägt
Unsere Wahrnehmung wird von Erinnerungen geprägt

Von Erinnerungen geprägt

Es sind unsere Kindheitserinnerungen, unsere Erziehung sowie prägende Erlebnisse, die heute noch unsere Denk- und Handlungsweisen samt unseren Gefühlen beeinflussen. Was wir wie erlebt haben, nehmen wir als Wahrheit und Richtschnur für unser heutiges Erleben. Doch dazwischen können bereits Jahrzehnte liegen. Und die Welt verändert sich laufend.

Selbstreflexion einüben

Was wir schon kennen, ordnet unser Gehirn automatisch ein. Es ist einfacher, alte Informationen zu holen als ein Ereignis mit neuen Erkenntnissen abzugleichen. Was neu ist, erfordert viel mehr Denkarbeit. Zudem: Das Alte hat sich in unserer Wahrnehmung ja bewährt, beim Neuen wissen wir dies erst, wenn wir es umsetzen.

Selbstreflexion bedeutet, Erinnerungen und eigenes Verhalten mit heutigem Wissen und aktuellen Werten abzugleichen. Was kann ich loslassen? Wo will ich mich öffnen?

Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

lautet ein altes Zitat von Friedrich Schiller. Auch die Natur lebt uns immerwährende Veränderung vor. So sehr wir uns eine gewisse Stabilität wünschen, gleicht doch kein Tag, keine Stunde, keine Sekunde der anderen. Wachstum bedeutet immer auch Veränderung.

Selbstreflexion zeigt auf, wie wir uns in diesem Flow verhalten, wie wir Dinge und Erlebnisse bewerten und was diese mit uns machen. Sie hilft uns, zu erkennen, wo wir uns täuschen und ermöglicht uns ein sachlicheres Denken.

Selbstreflexion im Beruf oder Job

Sich selbst im Beruf oder Job zu reflektieren, hat viele Vorteile. Zum Beispiel

  • lebt man bewusster,
  • ist besser auf Unerwartetes vorbereitet,
  • kann man mehr Einfluss nehmen (ist weniger ausgeliefert),
  • können alte, festgefahrene Lebensmuster aufgedeckt und neue Kräfte und Kompetenzen freigesetzt werden und
  • man findet eine bessere Balance zwischen äusseren Anforderungen und persönlichen Bedürfnissen.

Wenn alles rund läuft, werden wir mit der Zeit nachlässiger. Wir gehen davon aus, dass alles so bleiben wird. Und nehmen vor allem diejenigen Signale wahr, die unseren aktuellen Weg bestätigen.

Selbstreflexion schützt uns nicht automatisch vor Krisen. Aber unsere

  • Wahrnehmung wird schärfer,
  • wir können gezielter agieren und
  • negative Auswirkungen können besser und schneller aufgefangen werden.

Gestalten wir unser Leben aktiv mit. Aus Unsicherheit und Angst erwachsen Mut und Stabilität. 

Weiterführende Tipps

Persönlichkeitsentwicklung: Hinsehen. Entdecken. Wagen. Sich mit einem Einzelcoaching begleiten lassen.
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